Das Pädagogische Konzept

des Vereins „für nachhaltiges Lernen

 

Inhalt

1.Einleitung

 

Die Kinder als diejenigen „wahr“ zu nehmen, die sie wirklich sind, und ihre speziellen Talente zu erkennen und individuell zu fördern,
ist der grundlegende pädagogische Ansatz der Freien Morgenrot Schule. Dies ermöglicht jedem Schüler, sein persönliches,
einzigartiges Potenzial zu entfalten.

Die Freie Morgenrot Schule ist eine Schule besonderer pädagogischer Prägung Prägung, da eine bilinguale Grundschule mit Englisch als zweite Sprache in Niedersachsen einzigartig ist.
Sie stellt eine Erweiterung des Bildungsangebotes für den Grundschulbereich im Landkreis Lüneburg und im Wendland dar.

Die Freie Morgenrot Schule folgt einer bilingualen Methode. Täglich wird mindestens eine Stunde in verschiedenen Fächern bzw. während des freien
Spiels Englisch gesprochen. Das Erlernen spezieller Ausdrucksformen in anderen Sprachen ermöglicht den Kindern tiefe Einblicke in andere
Kulturen und Perspektiven. Je mehr Sprachen ein Mensch spricht, umso mehr Möglichkeiten hat er, andere Menschen zu berühren und zu verstehen.
Neben Englisch werden die Kinder auch an andere Sprachen spielerisch herangeführt. Das Kennenlernen und die Vernetzung der unterschiedlichen
Kulturen ist von großer Bedeutung, um sich als junger Mensch den Herausforderungen unserer Welt auf kreative Weise stellen zu können. Zur
Projektarbeit werden regelmäßig Lehrer aus der Region und aus dem Ausland in die Schule eingeladen.

„Mit PISA hat die Globalisierung auch in der Bildung begonnen. Tatsächlich ist das Zeitalter der Globalisierung eines der Glokalisierung. Vieles wird davon abhängen wie und ob man Orte kultiviert, an denen Wissen, Kompetenzen und Ideen gebildet werden. Menschen brauchen Wurzeln und Flügel. Schon heute übertrifft die Wirksamkeit des Bildungskapitals in der Wirtschaft die Effekte anderer Kapitale. Lernen ist nicht länger ein Vorrecht von Kindheit und Jugend. Lernen wird zur überragenden Idee nachindustrieller Gesellschaften.“( Kahl, Reinhard, Treibhäuser der Zukunft – Wie Schulen in Deutschland gelingen, Produktion: Archiv der Zukunft, Beltz, 2005)

Der pädagogische Ansatz ist inspiriert von bestehenden Schulkonzepten in Deutschland, Europa und darüber hinaus. Er schafft die lebendige Verbindung zwischen dörflicher Naturidylle und einer zusammenwachsenden Welt.

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2. PÄDAGOGISCHER ANSATZ

 

§ 54 Recht auf Bildung
„Das Schulwesen soll eine begabungsgerechte individuelle Förderung
ermöglichen […]“

Lernen ist ein lebenslanger, natürlicher Zustand. Was einzelne Menschen im Laufe ihres Lebens lernen, ist so einzigartig wie das genetische Erbgut eines jeden. Die Weisheit darüber, wozu uns das Leben aufordert, wozu wir uns berufen fühlen, tragen wir wie ein Samenkorn in uns.

Die Schüler verbringen ihren Schulalltag in einer altersgemischten Umgebung, in der jeder Anwesende in die Rolle des „Lehrenden“ und des „Lernenden“ schlüpfen darf.

Die Freie Morgenrot Schule legt Wert darauf, eine angstfreie, gewaltfreie Atmosphäre zu schaffen, die frei von Wettbewerb ist.

Wir nehmen die Kinder ernst, finden ihre speziellen Talente und fördern diese. Unsere Grundeinstellung gegenüber den Schülern beinhaltet unter anderem:

  • VERTRAUEN in die Auswahl ihres Lernthemas
  • UNTERSTÜTZEN beim Lernen und in ihren Bedürfnissen
  • INSPIRIEREN, damit sie immer wieder über sich selbst hinauswachsen können

In regelmäßigen Unterrichtseinheiten werden allen Schülern behutsam die Grundkompetenzen vermittelt.

„Gib der Welt, auf die du wirkst, die Richtung zum Guten, so wird der ruhige Rhythmus der Zeit die Entwicklung bringen.“ (Schiller)

Die Freie Morgenrot Schule unterstützt jeden Schüler in seinem individuellen Wachstum und hilft ihm, seine persönliche Lebensvision zu entdecken. Eine entspannte Atmosphäre in der Schule schafft die Basis für nachhaltiges Lernen. Informationen, die in einer freudigen Stimmung und aus eigenem Interesse heraus aufgenommen werden, speichert das Gehirn im Langzeitgedächtnis, dadurch können sie immer wieder für kreative Denk- und Verbindungsprozesse eingesetzt werden:

„In eigenen Untersuchungen konnten wir zeigen, dass der emotionale Zustand, in dem neutrale Fakten gelernt werden, darüber entscheidet, in welchen Bereichen des Gehirns diese gespeichert werden. Lernt man zum Beispiel Wörter in positivem emotionalem Kontext, werden sie im Hippocampus gespeichert, bei negativen Emotionen dagegen im Mandelkern. […] Der Hippocampus bewirkt das langfristige Speichern von Informationen in der Gehirnrinde. Die Funktion des Mandelkerns ist es hingegen, bei Abruf von assoziativ in ihm gespeichertem Material den Körper und den Geist auf Kampf und Flucht vorzubereiten. Wird der Mandelkern aktiv, steigen Puls und Blutdruck, und die Muskeln spannen sich an: Wir haben Angst und sind auf Kampf oder Flucht vorbereitet, eine in Anbetracht von Gefahr sinnvolle Reaktion. Die Auswirkungen betreffen jedoch nicht nur den Körper, sondern auch den Geist. […] Angst produziert einen kognitiven Stil, der das rasche Ausführen einfacher gelernter Routinen erleichtert und das lockere Assoziieren erschwert. Dies war vor 100.000 Jahren sinnvoll, führt heute jedoch zu Problemen, wenn mit Angst und Druck gelernt wird. Nicht dass dann nichts hängen bliebe. Das Problem ist vielmehr, dass beim Abruf eben die Angst mit abgerufen wird. Daraus folgt: Landet gelerntes Material im Mandelkern, ist eines genau nicht möglich: der kreative Umgang mit diesem Material. Wenn wir aber wollen, dass unsere Kinder und Jugendlichen in der Schule für das Leben lernen, dann muss eines stimmen: die emotionale Atmosphäre beim Lernen. Wir wissen damit nicht nur, dass Lernen bei guter Laune erfolgen sollte. Nur dann nämlich kann das Gelernte später zum kreativen Problemlösen überhaupt verwendet werden!“ (Hirnforscher Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, Uniklinik Ulm, in: DIE ZEIT, 18.09.2003, Nr. 39)

Selbstständig zu lernen, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und Verantwortung zu übernehmen – dies alles sind wichtige Schlüsselkompetenzen, damit die Heranwachsenden ihr Leben erfolgreich selbst gestalten können.

Die Auseinandersetzung mit dem Kosmos, der Welt, der Natur und dem Menschen in diesem Gefüge ist beständiges Thema an der Schule. Die Schüler werden durch das Lernangebot, durch andere Schüler und die Lehrer inspiriert und angeregt, sich mit sich selbst und ihren Fähigkeiten zu beschäftigen.

Die Wiederentdeckung der engen Vernetzung des Individuums mit der Natur, mit anderen Menschen und dem Globus, ja dem gesamten Universum, ist die Grundlage für die Entwicklung umfassender Intelligenz und persönlichen Glücks. Diese Vernetzungen waren in alten Kulturen bekannt und werden durch die Forschung heutzutage auch physikalisch erklärbar. Selbstverständlich werden diese Themen an der Freien Morgenrot Schule Bestandteil des Bildungsangebotes sein. In China beispielsweise, werden schon seit Jahren landesweit Schüler aus den Schulen herausgenommen, die herausragende Fähigkeiten besitzen, um anhand ihres Könnens in dem Bereich Quantenphysik Forschungen betreiben zu können, die ihre Fähigkeiten erklärbar werden lassen. Es ist an der Zeit zu begreifen, dass unser menschliches Potenzial weitaus größer ist, als bisher erkannt wurde.

„Imagination ist alles. Sie ist die Vorschau auf die künftigen Attraktionen des Lebens.“ (Albert Einstein, 1879–1955)

In Lehrbüchern über das Gehirn werden die Frontallappen als Sitz der Konzentration, der Vernunft und anderer „höherer Funktionen“ beschrieben. Wenn diese „höheren Funktionen“ gefördert werden, dann wird auch die Aktivität in den Frontallappen erhöht. Bei Untersuchungen über die Gehirne von Langzeitmeditierenden von Dr. Andrew Newberg und Dr. Richard Davison (Universität Wisconsin) traten bei den Testpersonen grundlose Gefühle der Glückseligkeit und Liebe auf. Der dominante linke Frontallappen wird entsprechend auch als „Frohsinnlappen“ bezeichnet.
Stille Zeiten, Bewusstseins- und Konzentrationsübungen sind fester Bestandteil an der Freien Morgenrot Schule. Die Schüler haben durch diese einfachen Übungen die Möglichkeit, sich bewusst mit ihrer Lebensvision und auch mit ihren Problemen auseinanderzusetzen. Die Schüler können zudem lernen, diese Übungen selbstständig anzuwenden. Langfristig lernen sie, sich selbst und anderen dabei zu helfen, in schwierigen Lebenssituationen bewusste Lösungen zu finden.

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3. Curriculare Vorgaben

 

Da wir altersgemischte Gruppen der 1. bis 4. Jahrgangsstufe anbieten sind Inhalte und Ziele nicht ausschließlich jahrgangsgebunden. Fachunterricht erfolgt vorrangig in Projekten. Sollten einzelne Kinder trotz der vielfältigen Angebote die Inhalte bestimmter Fachrichtungen nicht intensiver erarbeiten, liegt es im Ermessen der Lehrkraft, für diese Kinder verbindliche Kurse einzurichten.

Bedeutsam für unsere Arbeit ist dabei der Hinweis in den Rahmenrichtlinien darauf, dass Inhalte häufig in einer engen Beziehung zueinander stehen und dementsprechend miteinander oder nacheinander behandelt werden können(vgl. Kerncurriculum Grundschule Schuljahrgänge 1- 4 Sachunterricht S. 7). Dies unterstützt unseren Ansatz, in der Themenaufbereitung bei den Interessen der Kinder zu beginnen und das Prinzip der Ganzheitlichkeit zu verfolgen (fächerübergreifend/fächerverbindend – mit Kopf, Herz und Hand).

3.1. LERNARCHIV

 


„Die Logik des Kindes entwickelt sich […] durch seine eigene immer komplexere Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit.“(Wild, Rebeca: Mit Kindern wachsen – Die Entwicklung der Logik, Heft 2, April 1999, S. 9)

In diesem Sinne wird an der Freien Morgenrot Schule Wert auf den gesamten Lernprozess gelegt.
Jeder Schüler bekommt sein persönliches „Lernarchiv“. Dort hängt seine Visionstafel, stehen seine gesammelten Arbeiten, entliehene Bücher zu den momentanen Lernbereichen des Schülers, außerdem sein „Tagebuch“ und sein „Doku-Hefter“.

Die Visionstafel dient den Schülern dazu, sich persönlich Ziele zu setzen, auf die hingearbeitet wird.
Ziele im Leben zu haben ist sehr wichtig für junge Menschen – unabhängig davon, in welcher Größenordnung sie angelegt sind. Ziele und Visionen geben dem eigenen Dasein einen persönlichen Sinn und motivieren zum Lernen, damit die selbst ernannten Ziele erreicht werden können. Viele Jugendliche heute haben keine Vision für ihr Leben.

„Aber ein Leben ohne Vision ist wie eine Reise ohne Ziel. Es sind die Ziele und Ideale, die unserem Leben Bedeutung verleihen. Je größer deine Vision ist, desto größer wirst du als menschliches Wesen. Wir helfen den Jugendlichen, ihre eigene Vision für ihr Leben zu finden. Jeder hat seine Bestimmung, jeder hat seinen eigenen Grund, weshalb er hier ist. Nur wenn wir wissen, warum wir hier sind, können wir auch unsere Vision verstehen und anfangen, danach zu planen. Unser Ziel ist es, bewusste Menschen zu entwickeln […] Was wir fördern wollen, sind Jugendliche, die Weltbürger sind. Junge Menschen, die sich um ihre Mitmenschen kümmern und denen es nicht um Nationalismus oder eine bestimmte Religion geht.“ (Laszlo, Ervin, im Vorwort von Ardagh, Arjuna, Oneness, J.Kamphausen 2007, S. 13)

Wir brauchen Menschen, die sich selbst vertrauen und die sich zutrauen, etwas zu schaffen und so die Welt von morgen mitzugestalten. Dazu braucht man einen Lehrplan an der Schule, der sich dem Schüler anpasst und somit immer individuell ist und weiterentwickelt werden darf.

Die Lehrer verfassen halbjährlich schriftliche Kommentare zur Entwicklung der Kinder, in denen ihre individuellen Lernfortschritte, ihre persönliche Entwicklung und ihr Leben in der Gruppe beschrieben werden. Bei offenen Fragen besteht für die Eltern die Möglichkeit eines zusätzlichen Gesprächs mit dem Lehrer.

Aus den genannten Gründen gibt es keine Noten und auch kein „Sitzenbleiben“. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen nach, dass Schüler, die ohne Angst zur Schule gehen, in ihrer Entwicklung nachhaltiger gefördert werden können.

3.2. ALTERSGEMISCHTE GRUPPENSTRUKTUR

 

Den Schulalltag verbringen die Schüler in einer altersgemischten Umgebung, in der jeder Anwesende in die Rolle des „Lehrenden“ und des „Lernenden“ schlüpfen darf.
Dies fördert die Entwicklung aller Altersstufen. Die Kleinen lernen gerne und mit Begeisterung von den Großen. Die Älteren profitieren davon, ihr Wissen weiterzugeben, da sie dabei ihr eigenes Wissen festigen und Wissenslücken feststellen können. Konkurrierendes Verhalten tritt erfahrungsgemäß in altersgemischten Gruppen in den Hintergrund. Eine Atmosphäre, die frei ist von Konkurrenz, Gewalt und Druck, ist essentiell für die optimale Entwicklung der Kinder.

Insbesondere Jungen lernen nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen effektiver in kleineren Gruppen. Auch wenn die Kinder viel Zeit in der Freiarbeit verbringen, bleibt das Geschehen aufgrund einer niedrigen Schülerzahl übersichtlich.
Vom 5./6. Lebensjahr an bis zum Alter von 12 Jahren sind die Kinder besonders sensibel für kooperative Sozialbeziehungen, moralische Wertungen und verschiedenste Naturerscheinungen, und die Freiarbeit mit Materialien spielt eine wichtige Rolle. Neuere Studien (OS-Studie, PISA) legen außerdem nahe, Kinder in den ersten 6 Schuljahren gemeinsam lernen zu lassen, da die Vielfalt von kognitiven, sozialen und emotionalen Aspekten der Lerngruppe sich auf die Entwicklung aller förderlich auswirkt.

Die Integration von Kindern mit Behinderungen bietet sich vom Konzept her an und soll bei Bedarf sobald wie möglich umgesetzt werden.

3.3. TAGESABLAUF

 

Der Tag an der Freien Morgenrot Schule wird von den Schülern mitgestaltet. Als Rahmenstruktur folgt die Schule dem nachstehenden täglichen Zeitrhythmus:

  • 8–9 Uhr offenes Ankommen und Begrüßung der Kinder, Freiarbeit/Spiel
  • 9 Uhr Morgenkreis (besprechen der Tagesangebote, Unterrichtsfächer, Projekte)
  • 9.30 Uhr Saft- und Obst-Zeit
  • 10 Uhr freies Spiel und Lernen, mindestens die halbe Zeit auf Englisch; die Kinder bestimmen in dieser Zeit selbst den Zeitpunkt des Beginns einer Beschäftigung und das Ende
  • 12.45 Verabschiedung der Kinder
  • 13.00 Schulschluss

In festem Rhythmus finden Mitarbeiter- und Elternversammlungen statt.

Die beschriebene mögliche Struktur kann nur dann Orientierung sein, wenn sie als sinnvoll erachtet wird und sich flexibel am Alltag der Freien Morgenrot Schule misst. Bei Bedarf und sofern die Finanzierung gesichert ist, können die Öffnungszeiten der Schule erweitert werden.

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4. LERNFORMEN

 

Die an der Freien Morgenrot Schule praktizierten Lernformen sollen den Kindern einen bedürfnisorientierten Lernprozess ermöglichen.
Die verschiedenen Lernformen können ineinander übergehen oder miteinander verknüpft werden.

4.1. FREIES BEWEGEN, SPIELEN, LEBEN LERNEN

 

„Das freie symbolische Spiel ist die natürliche Tätigkeit des Kindes und Grundlage der späteren Fähigkeit, dem Leben auf schöpferische Weise zu begegnen.“ Rebeca Wild: Sein zum Erziehen, Freiamt, 1995, S. 37

Das Bedürfnis nach Bewegen bei 5- bis 13-Jährigen ist in den pädagogischen Ansatz integriert. Lernen funktioniert in diesem Alter sowohl für das Gehirn als auch für die motorischen Fähigkeiten in Verbindung mit Bewegung leichter und nachhaltiger als ohne Bewegung. Das Kind eignet sich seine Umwelt über seinen Körper und seine Sinne an. Bewegung ist eine Bedingung für geistige und emotionale Erfahrungen. Das, was Kinder sehen und hören, möchten sie für ihre Erkenntnisgewinnung fühlen, betasten, schmecken, riechen, mit ihren Händen und mit ihrem Körper erfassen können. Körperlich-sinnliches Erleben und die Erfahrung, über den Körper aktiv die Umwelt zu spüren, sind für die kindliche Entwicklung und eine gesunde Wahrnehmungsverarbeitung essentiell.

Die Förderung einer ungehinderten und freien Bewegungsentwicklung berücksichtigt moderne bewegungsphysiologische und psychologische Erkenntnisse, wie sie bereits schon früher im vorigen Jahrhundert von Emmi Pikler, Jean Piaget, Elfriede Hengstenberg, Heinrich Jacoby und Moshe Feldenkrais (siehe Literaturliste) in Erfahrungsberichten ihrer bewegungspädagogischen Arbeit formuliert wurden. Bewegung stellt eine ebenso wichtige menschliche Wesensäußerung dar wie Sprechen, Denken und Fühlen. Die Freie Morgenrot Schule bietet dafür reichlich Spielraum im Innen- und Außenbereich.

4.2. FREIE ARBEIT MIT DEM DIDAKTISCHEN MATERIAL

 

Didaktische Materialien, wie sie beispielsweise von Maria Montessori entwickelt wurden, geben den Kindern Gelegenheit, sich durch konkretes Be-Greifen selbstbestimmt einen Lerninhalt anzueignen. Die Montessori-Materialien sind so beschaffen, dass sie durch ihr äußeres Erscheinungsbild die Aufmerksamkeit des Kindes erwecken und seinen Sinn für Ästhetik ansprechen (Farbe, Materialbeschaffenheit, Gestaltung).
Die im Material zumeist integrierte Selbstkontrolle gibt den Kindern die notwendige Rückkoppelung und Verstärkung und ermöglicht ein vom Erwachsenen weitgehend unabhängiges Lernen.

Wenn das Kind es wünscht, führen Erwachsene in die Handhabung des jeweiligen Materials ein und geben im weiteren Verlauf der Arbeit Unterstützung. Auf diese Weise lernen die Kinder u. a. die Kulturtechniken des Lesen, Schreibens und Rechnens. Dieser Weg des Lernens fordert das Kind heraus, seine Interessen wahr und ernst zu nehmen, um sich das Material wählen zu können, mit dem es gerade arbeiten will. Es fördert Entscheidungsfähigkeit und Selbstvertrauen.

4.3. PROJEKTE

 

Einen großen Teil des Schulalltags bildet die Projektarbeit. In Projekten werden Themen mit unterschiedlichen Herangehensweisen bearbeitet. Dazu gehört sowohl die Wissensaneignung als auch die praktische Umsetzung. Kinder beschäftigen sich dabei allein oder in einer Gruppe mit einem bestimmten Themengebiet.

4.4. FÄCHERÜBERGREIFENDER UNTERRICHT IN ENGLISCH

 

Im Unterricht wird in einer Reihe von Stunden an festgelegten Themen oder Fächern gearbeitet wie beispielsweise Fremdsprachen, Kulturtechniken oder Aktivitäten wie sportliche Betätigungen. Voraussetzung für den Unterricht ist die Initiative der Kinder, ein Thema in diesem Rahmen zu bearbeiten.

Die Bilinguale Methode wird umgesetzt, indem mehrfach am Vormittag während des freien Spiels oder im Unterricht von dem Lehrer einmal laut angekündigt wird „wir wechseln zu Englisch,“ bzw. „zu Deutsch,“ und die Übergänge dadurch klar, gleichzeitig aber auch fließend sind. Englisch wird dadurch langfristig normaler Bestandteil des Sprachgebrauches im Schulalltag. Täglich wird mindestens eine Stunde Englisch gesprochen, meistens mehr. Englische und deutsche Wörter, Sätze, Sprüche und Gedichte finden sich gut sichtbar an vielen Stellen in der Schule, um das Interesse der Schüler am Lesen, Schreiben und der englischen Sprache zu wecken.

4.5. AUSSERSCHULISCHE LERNORTE

 

Das Lernen an Orten außerhalb der Schule bietet den Kindern die Möglichkeit, sich in anderen Zusammenhängen zu erleben und so neue Fähigkeiten und Interessen zu entdecken. Zu solchen Orten gehören unter anderem die Elbtalaue, der Elbestrand, Wald und Flur, Gärten, historisch bedeutende Plätze, Bauernhöfe (Projektarbeit), handwerkliche Betrieben in der näheren und ferneren Umgebung.

Wissenschaftler sind überzeugt, dass vielfältige Lern-„Assoziationen“ das Erinnerungsvermögen optimieren

4.6. EXPERTENBESUCHE

 

Regelmäßig werden Menschen in die Schule eingeladen, die auf einem bestimmten Gebiet Wissen und Können, Erfahrung und Begeisterung besitzen, dieses anschaulich darstellen und die Kinder inspirieren können. Wir beziehen Menschen aus der näheren Umgebung, also dem Wendland, aber auch aus anderen Kulturen in den Schulalltag mit ein. Dabei legen wir Wert darauf, dass die Gäste, die ihr Wissen mit den Schülern teilen möchten, selbst fasziniert sind von dem Thema, mit dem sie sich beschäftigen. Indem sie Begeisterung ausstrahlen, können sie den Kindern ihr Fachwissen authentisch vermitteln. Diese Begeisterung zu spüren, erleichtert den Schülern das Lernen und Zuhören und kann Inspirationsquelle werden für ihre eigenen Interessengebiete. Den Kindern werden dadurch auch Perspektiven für ihr späteres Berufsleben aufgezeigt.

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5. LERNINHALTE UND -FORMEN

 

„Denken und Fühlen sind beim Eintritt in die Schule noch eins und könnten es ein Leben lang bleiben, würden sie nicht künstlich getrennt.“ Rebeca Wild: Erziehung zum Sein, S. 187

Folgende Bereiche und Inhalt werden in der Primarstufe angeboten und teilweise intensiv behandelt:

  • Entstehung der Erde, Entwicklung des Menschen
  • Natur (Natur- und Lebenskreisläufe und ihr Einfluss auf den Menschen, Kennenlernen von Pflanzen und Tieren, Aufbau eines Gartens, Tierpflege, Kutschfahrten)
  • Aneignung der Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen)
  • Theater und Puppenspiel; dies ist insbesondere für männliche Schüler essentiell, um die Vernetzung von rechter und linker Gehirnhälfte anzuregen, was unter anderem zur Folge hat, sich in Andere hineinversetzen zu können
  • Musik, Tanz (musikalische Betätigung und Bewegung nach Musik, insbesondere durch freie Improvisation und Singen, Kennen lernen und Aneignung grundlegender Ausdrucksmöglichkeiten von verschiedenen Musikinstrumenten und elementaren musikalischen Ausdrucksformen)
  • Malen, Zeichnen (bildnerische Praxis als persönliche Ausdrucksmöglichkeit mit unterschiedlichsten Materialien), projektbezogen auch in Englisch
  • Handwerk, Gestaltung (Bildhauern, Schnitzen, Modellflugzeugbau Schneidern, Tischlern), Reparieren von Gegenständen
  • Gesunde naturbelassene Ernährung, Ernährung im Zusammenspiel mit körperlicher und geistiger Gesundheit unter Berücksichtigung neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse, Kennen lernen von Heilpflanzen und ihren Einsatzmöglichkeiten, kreative Rezeptentwicklung, umweltbewusste Hauswirtschaft
  • Naturwissenschaften (Biologie, Physik, Quantenphysik, Grundlagen der Geometrie, die sich in der Schöpfung und der Kunst widerspiegeln, chemische Reaktionen und Zusammenhänge)
  • Experimentieren (biologische, physikalische und chemische Experimente)
  • Fremdsprachen: Englisch wird von Beginn an täglich mindestens eine Stunde während der freien Spielzeit von den Lehrkräften und so weit wie möglich auch von den Schülern gesprochen; außerdem finden Kunstprojekttage sowie weitere Projekte und Fächer in englischer Sprache statt; anderssprachige Menschen aus anderen Kulturkreisen werden eingeladen.
  • Heimat, Geschichte (der näheren Schulumgebung und der Heimatorte)
  • Sprachen (Bekanntmachen mit der sprachlichen Vielfalt des Menschen und Kennenlernen eines Grundwortschatzes ausgewählter Sprachen, Wissen über deren Herkunftsländer mit ihren Menschen, Sitten und Gebräuchen)
  • Bilingualer Unterricht
  • Ethik, Kulturgeschichte
  • Freie Bewegungsentfaltung, freies Spiel (selbstbestimmte Bewegung im Innen- und Außenbereich, Klettern und Spielen in Verbindung mit Englisch)

Die Freie Morgenrot Schule ist überkonfessionell. Wenn das Wort Gott
gebraucht werden sollte, dann um das Zusammenspiel der Menschen mit der
Natur und dem Universum in all seiner Komplexität und Fülle zu
bezeichnen. Die verschiedenen Kulturen, Religionen, Urvölker und deren
Ursprung werden respektvoll behandelt.

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6. LEBENSRAUM SCHULE

 

Entspannte soziale Beziehungen, Geachtet-, Geliebt- und Respektiertwerden gehören zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen. Deshalb wird an der Freien Morgenrot Schule den Beziehungen zwischen den Kindern sowie zwischen Kindern und Erwachsenen besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Die Lernformen der Freien Morgenrot Schule fördern die Entwicklung entspannter sozialer Beziehungen unter den Kindern. In ihnen erleben sich die Kinder als Gemeinschaft. Indem sie gemeinsam an einer selbstgestellten, ihren Bedürfnissen entsprechenden Aufgabe arbeiten, erleben sie Abhängigkeiten voneinander, lernen sie, dass es wichtig ist, gemeinsam nach Lösungen für Probleme zu suchen, Verantwortung für sich und die Gruppe zu übernehmen.

Der Verzicht auf eine feste Klassenteilung ermöglicht es den Kindern, in verschieden zusammengesetzten, überschaubaren Gruppen unterschiedliche Rollen im sozialen Gefüge zu übernehmen und dabei vielfältige Aspekte ihrer Persönlichkeit zu erleben und zu entwickeln.

6.1. UMGANG MIT KONFLIKTEN

 

Sich zu einer verantwortungsvollen Persönlichkeit zu entwickeln heißt
auch, fähig zur Konfliktlösung zu werden. Konfliktfähige Menschen können
sich ihren Wünschen und Gefühlen entsprechend verhalten und gleichzeitig
die anderer respektieren. An der Freien Morgenrot Schule haben die
Kinder Raum, Auseinandersetzungen zu führen, wenn nötig auch in
Begleitung eines Erwachsenen. Jedes am Konflikt beteiligte Kind kann
seinen Standpunkt, seine Wünsche und Forderungen vorbringen und dabei in
einen Prozess der gemeinsamen Lösungsfindung kommen.

6.2. REGELN UND GRENZEN

 

„Respektiere dich selbst,
respektiert einander,
respektiert die Natur.“

Von diesen drei Grundsätzen, die gut sichtbar im Schulraum zu lesen sein werden, gehen die restlichen Regeln an der Schule aus.

Der achtsame Umgang und die respektvolle Auseinandersetzung mit sich selbst, anderen Menschen, mit Tieren und der Pflanzenwelt bilden die Grundlage des Schulalltages.
In jedem sozialen Gefüge bedarf es klarer Regeln und Grenzen. Sie dienen dem Schutz aller und fördern das Gefühl von Vertrauen und Sicherheit.

Optimistisch wird von den Lehrern das, was gut verläuft, hervorgehoben. Es werden mehr positive Affirmationen gegeben als negative.

6.3. MITVERANTWORTUNG

 

In einer einmal wöchentlich stattfindenden Schulversammlung können die Kinder die Schule mitgestalten. Hier kann über neue Regeln abgestimmt oder zum Beispiel ein Antrag eingebracht werden, der sich auf eine geplante Aktivität bezieht. Dadurch lernen die Kinder ganz selbstverständlich, dass sich Engagement lohnt, um Dinge zu bewegen. Zudem stimmen die Kinder hier im Einzelfall darüber ab, welche Reaktion oder Konsequenz auf wiederholte Regelmissachtung folgen soll.

Das Schüler-Lehrer-Gremium, bestehend aus Lehrern und Schülern, berät und entscheidet über die Konsequenzen von wiederholten Regelmissachtungen und weiteren schwerwiegenden Verstößen gegen die Schulregeln Einzelner.

6.4. ÖKOLOGIE

 

Die Freie Morgenrot Schule befindet sich im wunderschönen „Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue“ und bietet somit eine ideale Umgebung, die Vielfalt der Natur zu erfahren und in ihr über sie zu lernen. Wenn Kinder um das empfindliche Zusammenspiel in einem Ökosystems wissen – wie hier an der Elbe – dann verstehen sie leicht, dass sowohl das „Kleine vor Ort“ als auch das „große Ganze“ sich gegenseitig beeinflussen und schützenswert sind. Die Zusammenhänge zwischen lokalem Handeln und globalem Einfluss werden so unmittelbar im Alltag erlebt und regen an, die Kenntnis davon in die eigenen Überlegungen und Handlungen mit einzubeziehen.

„Das überholte und egoistisch verengte Bewusstsein – beschränkte, selbstbezogene Werte, Überzeugungen und Verhaltensweisen – entsprechen nicht jener globalen Identifikation, die wir dringend brauchen, um als Art zu überleben. Diese Identifikation kann nur auf der gelebten Erfahrung der Einheit basieren – auf der Verbindung, die wir miteinander und mit der Natur haben. Jedes Handeln, das so weitermacht wie zuvor, führt – aus jeweils unterschiedlichen Gründen – zur existenziellen Bedrohung für die Bevölkerung: zum Klimawandel, der zu einer solchen Dürre führen kann, dass es für nahezu ein Drittel der Weltbevölkerung unmöglich wird, genügend Nahrungsmittel anzubauen, um die Grundbedürfnisse abzusichern; zum Absinken des Grundwasserspiegels und zur gleichzeitigen Verschmutzung der Wasserressourcen […].
Wie können wir diesen bedrohlichen Zustand verändern? Die Antwort ist klar: indem wir uns selbst verändern – als eine Möglichkeit, die Welt zu verändern. Die verlässlichste, dauerhafteste und effektivste Möglichkeit, uns selbst zu verändern, besteht darin, unser Bewusstsein zu verändern. Unser Schicksal wird das Ergebnis unserer Entscheidungen sein. Dass wir die Freiheit der Wahl haben, ist das kostbarste Geschenk des Menschseins!“ (Laszlo, Ervin, im Vorwort von Ardagh, Arjuna, Oneness, J.Kamphausen 2007,
S. 15)

Ökologie ist die Lehre von der Natur als einem Beziehungsgeflecht, in dem alle Beteiligten in Verbindung stehen (Menschen, Tiere, Pflanzen, Luft, Wasser, Feuer, Erde, Kosmos etc.). Ökologie beschreibt das Wechselverhältnis des Menschen mit seiner Umwelt; Ökologie beschreibt auch die Vielfalt der Lebensprozesse, die in unserem Organismus ablaufen.

Die Kinder an der Freien Morgenrot Schule können in ihrem Alltag in der Begegnung mit der Natur durch Einsetzen aller Sinne eine Beziehung zu dieser aufbauen. Sie haben die Möglichkeit, beim Spielen und Lernen im Freien, beim Graben und Säen, bei Exkursionen an die Elbe und beim Beobachten von Tieren in freier Wildbahn ein öko-ethisches Bewusstsein zu entwickeln sowie die Liebe und den Respekt zur Natur zu festigen.
Auch die Beschäftigung im Schulgebäude mit den Erscheinungen der Natur anhand didaktischen Materials kann das Wissen um die Vernetzung aller Aspekte des Seins vertiefen.

Die Beschäftigung mit der Natur in Form von Projektarbeit im Biosphärenreservat, aber auch an anderen Orten im Wendland und zu verschiedenen ökologischen Themen ist regelmäßiger Bestandteil an der Freien Morgenrot Schule. So kann das Kind praktische Antworten finden auf die Frage, welcher Umgang mit der Natur förderlich ist, und auch, welches die eigene Rolle im Gesamtzusammenhang der Schöpfung sein kann.

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7. AUFGABEN DER LEHRER UND MITARBEITER

 

Eine grundlegende Anforderung an die Lehrer ist, dass sie den Schülern vertrauen, sie unterstützen und sie inspirieren. Gleichzeitig aber auch, dass sie offen dafür sind, selbst immer weiter zu lernen, also gleichzeitig auch Lernende zu sein.
Es ist vorgesehen, dass möglichst zwei Erwachsene anwesend sind, um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Zwischen den beiden Extremen, „ein Kind allein zu lassen“ (es zu verlassen) und „sein Problem zu lösen,“ liegt das Gebiet, in dem sich echte Entwicklungsprozesse ergeben. In dieser Zone sind wir beim Kind, wir begleiten es, wir sind einfach da. Wir gehen nicht weg, ermuntern auch das Kind nicht mit dem üblichen „das kannst du schon“ zur Selbstständigkeit, motivieren es nicht, greifen seinen Ideen nicht voraus, lenken es nicht ab, unterstützen es – wenn nötig und erwünscht – in seiner Aktivität und setzen – wenn dies erforderlich ist – Grenzen, damit alle Beteiligten sich wohl fühlen können.

„In dem Maße, wie wir es fertig bringen, mit den Kindern ‚wir selbst’ zu sein und nicht nur eine Rolle spielen, aus der wir uns nach Beendigung des Unterrichts wieder herauspellen, sind auch die Kinder ‚sie selbst’ und zeigen uns in aller Offenheit, wie unsere guten Absichten auf sie wirken“ vgl. Wild, Rebeca: Sein zum Erziehen, S. 85

Ein späteres Schulprojekt von Rebeca und Mauricio Wild war eine Schule im Rahmen einer Gemeinschaft. Das Fazit ihrer Erfahrungen ist, dass eine Schule innerhalb einer Gemeinschaft oder Dorfgemeinschaft am natürlichsten funktioniert. Aus diesem Grund freuen wir uns sehr über die Bereitschaft verschiedener Einwohner der Dörfer in der Region, sich und ihre Fähigkeiten in die Schule einzubringen, und empfinden dies als große Bereicherung für die Schule.

Für die Umsetzung des Konzeptes der Freien Morgenrot Schule ist es wichtig, dass Lehrer und Mitarbeiter die Bereitschaft und Fähigkeit zur Veränderung mitbringen,
z. B. neue Umgangsformen mit Kindern zu entwickeln, sie als gleichwertige Persönlichkeiten zu akzeptieren und authentisch auf sie zu reagieren.

Zur Basis einer erfolgreichen Arbeit in der Schule, gehört der offene, lösungsorientierte Umgang der Erwachsenen untereinander und das kooperative Zusammenwirken mit den Eltern. Die Eltern gestalten den Alltag der Schule nach ihren Möglichkeiten und Interessen mit, indem sie beispielsweise Angebote für Kurse machen, sich an der Herstellung didaktischen Materials beteiligen, Feste mitgestalten, Öffentlichkeitsarbeit leisten oder u. U. eigenverantwortlich Teilbereiche der Schule, Verwaltung oder Reinigung übernehmen. Sie suchen von sich aus Kontakt zur Schule und nehmen an den Elternversammlungen teil.

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8. INNERE UND ÄUSSERE STRUKTUREN

 


8.1. BEGRÜNDUNG DES BESONDEREN PÄDAGOGISCHEN INTERESSES

 

Im Wendland und darüber hinaus haben sich viele Menschen aus ganz Deutschland und darüber hinaus angesiedelt, denen inneres Wachstum, achtsamer und respektvoller Umgang miteinander, Ökologie und naturnahes Leben wichtig sind. Es besteht der Wunsch, den Kindern dieser Region eine Schulform zu bieten, in der ähnliche Werte großgeschrieben werden.

Wir streben eine Schule an, die den Kindern räumliche Nähe zu ihrem Zuhause bietet, um ihnen Fahrwege möglichst zu ersparen oder zumindest gering zu halten. Insbesondere auch in Anbetracht der Erfahrungen von Rebeca und Mauricio Wild, nach denen Schule im Rahmen einer (Dorf-)Gemeinschaft am effektivsten und natürlichsten gelingt. Gerade in den ersten Schuljahren erscheint uns eine kleine, überschaubare Schule mit persönlicher Atmosphäre wichtig, in der sich alle kennen und in der jedes einzelne Kind intensiv individuell betreut und gefördert wird.

8.2. SCHULGEBÄUDE, AUSSTATTUNG UND UMGEBUNG

 

Das Wendland hat trotz ländlicher Strukturen ein reichhaltiges kulturelles Angebot – aufgrund seiner jahrzehntelangen Prägung durch zugezogene Kunst- und Freischaffende und Naturliebhaber aus der Stadt. Es bietet daher ein hohes Potenzial an vielseitigem, anspruchsvollem und nachhaltigem Lernen. Eine Freie Schule auf dem Land ermöglicht die Entwicklung von Verständnis und Achtung für die Natur im alltäglichen Umgang mit ihr. Die Entwicklung dieser Art ökologischen Verantwortungsbewusstseins ist ein wichtiges Anliegen der Freien Morgenrot Schule.

„Freie Schule auf dem Land“ heißt für uns, lebendig arbeiten zu können. Garten, Elbstrand und Elbtalaue laden ein den direkten Kontakt zur Natur mit üppigen, naturbelassenen Freiflächen für vielfältige Spiel- und Tobemöglichkeiten, Sand-, Wasser-, Kletter- und Balanciergelegenheiten zu nutzen.

8.3. AUFNAHMEVORAUSSETZUNGEN

 

Die Freie Morgenrot Schule ist offen für Menschen aller Religionen und Hautfarben, unabhängig von ihrem sozialen Status.

Das wichtigste Aufnahmekriterium ist das Grundvertrauen der Eltern in die Lernkompetenz ihrer Kinder. Eltern, die sich mit ihren Kindern für die Freie Morgenrot Schule entscheiden, sind überzeugt davon, dass die selbstbestimmte Art und Weise des Lernens der Entwicklung ihres Kindes am ehesten gerecht wird. Das heißt, die Eltern haben sich mit dem pädagogischen Konzept auseinandergesetzt und mit dem Leben an der Schule vertraut gemacht. In diesem Zusammenhang ist auch die Bereitschaft zum Dialog und zur Zusammenarbeit mit der Schule von großer Bedeutung.

8.4. SCHULWECHSEL

 

Die Lerninhalte der Freien Morgenrot Schule werden aus allen vier Jahrgangsstufen geschöpft. Der zeitliche Rahmen und die Reihenfolge einzelner Lernpläne ordnen sich dem Entwicklungsplan der einzelnen Kinder unter. Daraus folgt, dass Lerninhalte für den gesamten Zeitraum festgelegt sind und nicht in einzelne Jahre, Monate oder Wochen untergliedert werden können. In ausführlichen Aufnahmegesprächen werden die Eltern über diesen Sachverhalt in Kenntnis gesetzt.

8.5. FINANZIERUNG

 

Die Finanzierung der Freien Morgenrot Schule erfolgt durch:

  • Elternbeiträge
  • Spenden
  • Zuschüsse von anderen öffentlichen und privaten Fördereinrichtungen
  • durch Bürgschaften gesicherte Kredite
  • staatliche Zuschüsse (möglich ab 2011)

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9. EINORDNUNG IN DIE REFORMPÄDAGOGISCHE SCHULLANDSCHAFT

 

Der pädagogische Ansatz ist inspiriert von bestehenden Schulkonzepten in Deutschland, England, USA und weiteren Ländern. Er vereint diese zu einem eigenen Lehransatz unter Berücksichtigung heutiger wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Bundesweit existieren 52 Freie Alternativschulen mit ähnlichen Konzepten, die staatlich genehmigt wurden; europaweit sind es etwa 250 Schulen dieser Art. Die Freien Grundschulen Niedersachsens befinden sich in Göttingen, Heckenbeck, Oldenburg und Lüneburg.

Wir danken der Freien Schule Heckenbeck, der Naturschule Berlin Pankow, der Neuen Schule Hamburg und der Freien Aktiven Schule Celle für die freundliche Überlassung ihrer Konzepte.

Inspiriert ist unser Konzept von der pädagogischen Arbeit von Rebeca und Mauricio Wild, von Chris Griscom (Nizhoni School for Global Consiousness / Schule für Globales Bewusstsein, USA), Maria Montessori (Naturschule Berlin Pankow, Freie Schule Heckenbeck, Montessori Schule Lüneburg und viele weitere), Sudbury Valley Schulen (Hamburg, Berlin, USA, Japan) und den Rudolf-Steiner-Schulen. Außerdem fühlen wir uns verbunden mit den internationalen Projekten von Auroville in Tamil Nadu, Indien.

Wir laden Kinder, Lehrer, Begleiter, Eltern und Unterstützende dazu ein, bei uns zu beginnen, die Gegenwart und somit auch die Zukunft in dieser sich so schnell wandelnden Zeit mitzugestalten und zu erleben.

9.1. SCHLUSSBEMERKUNG

 

Den Schülern andere Sprachen und Kulturen nahe zubringen ist uns im Sinne des Weltfriedens ein Anliegen.


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